Hannes Jaenicke und der Wolf

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Im ZDF wurde am 25.5.2021 zur guten Sendezeit der Beitrag von Hannes Jaenicke „Im Einsatz für den Wolf“ ausgestrahlt. Wer gehofft hat, dass Hannes Jaenicke einen Beitrag dazu leisten würde, für das Reizthema Wolf in Deutschland Lösungen anzubieten, wurde enttäuscht. Dazu hat der Beitrag zu wenige Problemfelder angesprochen und andere Teilbereiche nur gestreift. Als geneigter Zuschauer hat man laufend den angebotenen Beispielen folgen müssen, ohne darin Tiefgang zu finden. Es war wie Zeitung lesen bei starkem Wind. Da bekommt man auch nur die Überschriften mit. Dennoch hat Hannes Jaenicke einen wertvollen Beitrag zum Reizthema Wolf in Deutschland geleistet, weil er das Thema überhaupt ins Fernsehen gebracht hat. Darauf kann man aufbauen und alle Autoren, die das Thema weiterverfolgen wollen, nur darum bitten, es zu tun. Es muss ja nicht Peter Wohleben sein, denn der hat im Beitrag wieder mal seine einseitige und konzeptionslose Sichtweise mit missionarischem Eifer unters Volk gestreut. Aber der Reihe nach: Hannes Jaenicke stellt zu Beginn des Beitrags eine interessante Frage: „Wie viel Wolf vertragen wir?“ Diese wichtige Frage bleibt im Beitrag unbeantwortet und endet viel mehr mit der Feststellung, dass der Wolf, wie jedes andere Lebewesen, uns Menschen eingeschlossen, ein Recht hat, sich seinen Lebensraum auszusuchen. Warum fällt mir bei einer solchen Aussage gleich das Rotwild ein. Dieser Wildart ist es nicht gestattet, sich seinen Lebensraum selbst auszusuchen und so geht es isoliert voneinander in zahlreichen Rotwildvorkommen in Deutschland der genetischen Verarmung entgegen. Da gefällt mir die klare Aussage von Torsten Reinwald, Geschäftsführer des Deutschen Jagdverbands in Berlin, schon besser. Auf die Frage von Hannes Jaenicke wie die Jäger das Reizthema Wolf beurteilen, antwortet Torsten Reinwald mit klaren Worten:

  1. Wölfe nur in ausgewiesenen Wolfsgebieten,
  2. Errichtung von Wolfs freien Zonen und
  3. Entnahme der Problemwölfe.

Das ist ein Konzept, das weiter zu verfolgen sich für unsere Gesellschaft lohnt.

Im Beitrag wurde leider auch darauf verzichtet, eine Obergrenze für Wölfe in Deutschland anzuregen. Hannes Jaenicke hat zwar ausgeführt, dass die EU von jedem Mitgliedsland fordert, dass Wölfe auf ihrem Territorium einen lebensfähigen Bestand aufbauen können. Wieviel Exemplare einen lebensfähigen Bestand ausmachen, wurde jedoch nicht hinterfragt.

Der Ausflug nach Österreich zu einem Wolfsforschungsteam hat deutlich gemacht, dass der Wolf als hoch intelligent einzuschätzen ist. Die Erfahrungen in Deutschland mit dieser Wolfsintelligenz sind inzwischen sehr ausgeprägt und mit zahlreichen Beispielen belegt. Da kam ich bei den gezeigten Empfehlungen, von Hüte Vorkehrungen mit Elektrozäunen und Carpatin Herdenschutzhunden, sehr ins Schmunzeln, weil die Schutzvorkehrungen in Deutschland inzwischen sehr viel weiter entwickelt sind. Von der gezeigten archaischen Hüte Methode mit 5 bis 10 Hunden und einem Hüter pro Herde mal abgesehen, erreichen die bei uns gefundenen technischen Vorkehrungen eine hohe Funktionalität ohne hier wie dort gänzlich sicher zu sein. Der intelligente Wolf findet immer einen Weg, das behütete Vieh zu erreichen, auch wenn er dabei Zäune überspringen oder überklettern muss. Gezeigt wurden im Übrigen nur Schafsrisse, die mit einer diffusen Erklärung zu hohen Schlachtviehzahlen tolerierbar seien. Der Wolf reißt in Deutschland schon lange nicht nur Schafe sondern auch Pferde, Rinder und auch Hunde. Von einer nützlichen Reduzierung der Wildschweine in Deutschland durch den Wolf fehlen leider jegliche Beweise. Der Wolf weiß, warum er sich da nicht ran traut. Dazu ist er nicht hungrig genug und wird es auch nicht werden, so lange ihm leichtere Beute aus der Viehhaltung im Überfluss angeboten wird. Ein Hinweis auf den inzwischen signifikanten Schadensersatz, den die betroffenen Schaf- bzw. Viehzüchter erhalten, hätte dem Beitrag noch etwas Würze verliehen, weil der Schadensersatz ausschließlich mit Steuergeldern beglichen wird.

6.5

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